Seit 60 Jahren sorgt die Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen (FKM) für verlässliche und vergleichbare Messekennzahlen. Im Gespräch mit Hendrik Hochheim erklärt Britta Wirtz, Erste Stellvertretende Vorsitzende der FKM und Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe, warum unabhängige Daten für die Branche unverzichtbar sind, weshalb der Messeauftritt auch im digitalen Zeitalter das „Schweizer Taschenmesser“ des Marketings bleibt und welche Impulse sie sich vom diesjährigen IDFA-Messeseminar erhofft, das in Karlsruhe stattfindet.

Hendrik Hochheim: Liebe Britta Wirtz, als Erste Stellvertretende Vorsitzende prägen Sie die Arbeit der FKM seit vielen Jahren. Wo liegen für Sie aktuell die Schwerpunkte und Herausforderungen der FKM?

Britta Wirtz: Im Grunde sind die Herausforderungen der Messewirtschaft von denen der FKM nicht losgelöst zu betrachten: Prozesseffizienz, Kostendruck und der Blick auf das Nötige. Wir haben bereits vor vier Jahren, in der Zeit meiner vertretungsweisen Leitung der FKM, begonnen, organisatorische und strukturelle Weichen zu stellen. Das heißt, wir haben die Prozesse der Prüfung – wo möglich – entschlackt und konnten damit Kosten und Aufwand reduzieren. Gleichzeitig verändert sich der Blick auf die Bewertung von Messen. Lange herrschte die Logik: Steigende Kennzahlen sind allein Beweis für eine gute Messe. Daher befassen wir uns nun intensiv mit der Frage, ob und wie wir damit kommunikativ neu umgehen können.

Welche Bedeutung haben verlässliche und unabhängige Messekennzahlen für Aussteller?

Kennzahlen sind für den Vergleich von Messen untereinander und die letztendliche Entscheidung für eine Teilnahme von Relevanz. Aber erst in Verbindung mit Qualitätsmerkmalen einer Messe sowie weiteren Rahmendaten kann vom Ausstellenden eine ganzheitliche Entscheidung getroffen werden. Entscheidend ist deshalb die Kombination aus den unabhängigen FKM-Daten und transparenten, nachvollziehbaren Informationen der Veranstalter.

Wie verändert die zunehmende Konkurrenz digitaler Kommunikations- und Marketingkanäle die Anforderungen an Kennzahlen?

Ich bezeichne einen Messeauftritt gerne als das Schweizer Taschenmesser unter den Marketinginstrumenten, weil er viele Funktionen zugleich erfüllt: Er dient der Kundenpflege, der Neukundengewinnung, der Markenbildung, dem Wissensaustausch und dem Networking. Seine Wirksamkeit lässt sich durch eine gezielte digitale Marketingunterstützung hervorragend steigern. Gleichzeitig lässt sich die persönliche Begegnung und die Vernetzung innerhalb des eigenen Unternehmens, der Branche und nicht zuletzt auf der persönlichen und emotionalen Ebene als besonders wertvoll hervorheben. Der Erfolg liegt daher aus meiner Sicht in einer brillanten Verknüpfung des Messeauftritts zwischen on- und offline. Wenn beide Welten ineinandergreifen, kann ein Messeauftritt seine volle Wirkung entfalten.

Die FKM vereint 32 Gesellschafter in Deutschland sowie die italienische Messegesellschaft Veronafiere. Welchen Nutzen ziehen diese Gesellschafter aus ihrem Engagement in der FKM?

Die Vorhaltung transparenter und nach gleichen Maßstäben erfasster Daten ist ein Dienst an der Branche per se. Ich sehe das Bekenntnis zur FKM auch als Committment für einen fairen Wettbewerb der Messeplätze und -Veranstalter untereinander.

Am 18. und 19. Oktober ist die Messe Karlsruhe Gastgeberin des Internationalen Messeseminars der Interessengemeinschaft Deutscher Fachmessen und Ausstellungsstädte, der IDFA. Was erwartet die Teilnehmer?

Ich freue mich sehr, die Teilnehmenden aus ganz Deutschland bei uns in der City of Media Arts und der Stadt des Rechts und natürlich in unserer frisch wiedereröffneten Karlsruher Stadthalle willkommen heißen zu dürfen. Spannende Impulse zu den Themen KI und Digitalisierung zeichnen sich bereits ab, aber auch die zum Teil langjährigen Freundschaften und der gute Austausch untereinander darf nicht fehlen. Bis bald in Karlsruhe!

 

Britta Wirtz (Jahrgang 1971) ist seit 2009 Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe und seit 2014 Erste Stellvertretende Vorsitzende der FKM. Die Kommunikations-, Wirtschafts- und Kunstwissenschaftlerin begann ihre Karriere 1996 bei Reed Exhibitions (heute RX), wo sie zuletzt als Prokuristin und Direktorin eines internationalen Fachmesseportfolios tätig war. Unter ihrer Leitung hat sich die Messe Karlsruhe als bedeutender Messe- und Kongressstandort etabliert und ihr Veranstaltungsportfolio deutlich ausgebaut.